Kontakt

Freies Gymnasium Bern

Beaulieustrasse 55
CH-3012 Bern
031 300 50 50

Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailinfo(at)fgb.ch

Öffnet internen Link im aktuellen FensterKontaktformular »

Beaulieustrasse 55
CH-3012 Bern
031 300 50 50
info(at)fgb.ch
Sitemap  |  Impressum | Login

Philosophie

Beschreibung

Einerseits ist Philosophie die Wissenschaft, die sich mit Fragen auseinandersetzt, auf die es keine einfache Antworten gibt. Sie ist Ausdruck des menschlichen Bedürfnisses, über den Tellerrand der offensichtlichen Tatsachen hinauszuschauen und diese zu hinterfragen. Dadurch werden einfache Wahrheiten und sicher geglaubtes Wissen bei genauerem Betrachten zu schwierigen Fragen der menschlichen Existenz.

Andererseits sucht Philosophie nach Erkenntnissen oder Weisheiten, die im praktischen Leben bedeutsam sind. Sie fragt beispielsweise, wie wir uns anderen Menschen gegenüber verhalten sollen oder was Glück ist und wie wir dieses erlangen können. Dabei steht nicht im Mittelpunkt, wie wir uns tatsächlich verhalten, sondern vielmehr, wie wir uns verhalten sollen, damit wir moralisch handeln oder glücklich werden.

Die Philosophie bedient sich geisteswissenschaftlicher Methoden. Das bedeutet, dass versucht wird, (vorläufige) Antworten auf Fragen zu finden, indem darüber nachgedacht und gemeinsam mit KlassenkameradInnen und PhilosophInnen darüber diskutiert wird.

Wer Philosophie wählt, muss bereit sein, sich mit existenziellen Fragen in diskursiver Auseinandersetzung im Klassenverband und mit teilweise schwierigen Originaltexten auseinanderzusetzen. Er/Sie muss Lust haben, nach Antworten zu suchen und im ständigen Ringen mit sich selber und den Argumenten der anderen sich auf Wege zu begeben, die fernab der alltäglichen Lebensbewältigung sind. Bei der Suche nach Antworten ist immer auch eine gewisse Unsicherheit, manchmal auch Ratlosigkeit auszuhalten.

Ein Beispiel aus dem Unterricht

Philosophie arbeitet oft mit einfachen, fast trivial anmutenden Beispielen, um Intuitionen zu testen, Bedingungen zu ergründen oder Argumente auszuloten. Beim Beispiel mit der Kuh auf der Weide, das unten aufgeführt wird, geht es um die Frage, wann wir uns einer Sache ganz sicher sein können oder was Wissen von Glauben unterscheidet. Es geht also um die Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit wir berechtigt sagen können, dass wir etwas wissen.

Die Kuh auf der Weide

"Bauer Huber macht sich Sorgen um seine preisgekrönte Kuh Lotte. Auch als sein Knecht ihm sagt, Lotte grase friedlich auf der Weide, beruhigt ihn das nicht, denn er will ganz sicher sein. Er will nicht nur mit neunundneunzigprozentiger Wahrscheinlichkeit glauben, dass es Lotte gut geht, er will es wissen. Bauer Huber geht also hinaus und sieht vom Gatter aus hinter ein paar Bäumen in der Ferne ein schwarz-weißes Etwas, das er als seine Lieblingskuh erkennt. Er geht zum Hof zurück und berichtet, dass mit Lotte alles in Ordnung sei. Aber weiß Bauer Huber dies wirklich genau? Und weiss er wirklich sicher, ob es ihr gut geht? Der Knecht geht ebenfalls aufs Feld hinaus, um nach dem Rechten zu sehen. Er findet Lotte schlafend in einer versteckten Senke, die vom Gatter aus nicht einzusehen ist. Außerdem entdeckt er ein großes Stück schwarz-weißes Papier, das sich in einem Baum verfangen hat." (Cohen)

Lotte befindet sich tatsächlich auf der Weide, wie der Bauer geglaubt hat. Durfte er wirklich behaupten, dies zu wissen? Und darf er wirklich sicher sein, dass es ihr gut geht?

 

 

Psychologie

Beschreibung

Psychologie ist die Wissenschaft der Seele. Weil die Seele (natur)wissenschaftlich nicht fassbar ist, beschäftigt sie sich mit dem Erleben und Verhalten des Menschen. Die Psychologie hat sich vor circa 100 Jahren als eigenständige Wissenschaft etabliert und sich von ihrem geisteswissenschaftlich geprägten Verständnis des Menschen gelöst. Sie hat sich in der Moderne zu einer empirischen Wissenschaft entwickelt, die den Menschen mit Beobachtung, Befragung, Experiment und Test ergründet.

In der Psychologie werden die Themenbereiche Wahrnehmung, Entwicklungspsychologie, Emotion und Motivation, Lerntheorien, Persönlichkeitstheorien, Sozialpsychologie, Interaktion und Kommunikation sowie Klinische Psychologie behandelt. Dabei steht immer im Fokus, was Menschen in der Realität tatsächlich erleben und wie sie sich tatsächlich verhalten. Am Beispiel der Wahrnehmung bedeutet dies, dass versucht wird, die Faktoren zu beschreiben und zu erklären, die unsere Wahrnehmung mitbestimmen.

Wer Psychologie wählt, muss bereit sein, sich mit Hilfe von empirischen Methoden dem menschlichen Verhalten und Erleben zu nähern. Er/Sie muss willens sein, in den Spiegel zu schauen und mehr über sich selber, manchmal auch über die eigenen Abgründe, zu erfahren. Psychologie als Wissenschaft bleibt jedoch nicht auf der persönlichen Ebene stehen, sondern sucht immer auch die Verallgemeinerung und die Gesetzmässigkeit. Dazu braucht es die Fähigkeit, sich von eigenen Ansichten freizumachen und den Blick für die empirischen Tatsachen zu öffnen.

Beispiel aus dem Unterrichtsgeschehen

Die fremde Situationen

Die Bindungsforschung untersucht die Ursache und den Einfluss unterschiedlicher Bindungsstile auf die Entwicklung eines Menschen. Der Bindungsstil einer Person ist die Art und Weise (das kognitive Muster), wie eine Person mit anderen Personen in Beziehung tritt.

Die fremde Situation ist ein Test, bei dem sich ein Kind mit einer Bezugsperson in einer unbekannten Situation aufhält. Innerhalb des Tests wird das Kind für kurze Zeit von der Bezugsperson getrennt und mit einer fremden Person alleine gelassen. Bei der Trennung und der Wiedervereinigung kann der Bindungsstil des Kindes beobachtet werden.

In der fremden Situation werden charakteristische, deutlich unterscheidbare Muster, also Bindungsstile, beobachtet, denen unterschiedliche Ursachen sowie Auswirkungen auf das spätere Leben zugeschrieben werden können.

Im Video wird ein Beispiel einer fremden Situation gezeigt; zudem werden einige weiterführende Informationen gegeben.

 

Pädagogik

Beschreibung

Pädagogik ist eine angewandte Wissenschaft, die sich mit der menschlichen Erziehung und mit den Bedingungen des Menschwerdens auseinandersetzt. Die Pädagogik wendet Erkenntnisse der Psychologie und ihrer empirischen Nachbarwissenschaften an, um die Erziehung von Kindern und Jugendliche zu erhellen. Gleichzeitig hat sie sich ihren geisteswissenschaftlichen Zugang zum Menschwerden bewahrt. Das heisst, dass die Pädagogik nicht auf der beschreibenden und erklärenden Ebene bleibt, sondern sich immer auch fragt, wie Erziehung sein soll, welche Eigenschaften beispielsweise ein guter Erziehender haben soll oder was für Erziehungsziele in der heutigen Zeit angestrebt werden sollen.

Pädagogik geht von der Frage aus, ob Erziehung überhaupt möglich respektive notwendig ist und wo ihre Grenzen sind. Erst wenn diese Frage geklärt ist, können deren Aufgaben und Ziele diskutiert werden. Weil Erziehung auch abhängig ist von Zeit und Ort, muss der historische Aspekt immer mitberücksichtigt werden.

Wer Pädagogik wählt, muss bereit sein, sich mit Erziehung auseinanderzusetzen, obwohl er/sie selber noch mitten im Erziehungsprozess steckt. Dazu braucht es die Bereitschaft, einerseits die eigene Erziehung zu reflektieren und andererseits die abstrakte und allgemeine Ebene zu berücksichtigen. Ebenfalls wichtig ist das Interesse an der Kindheit und Jugend mit all ihren Facetten.

Beispiel aus dem Unterrichtsgeschehen

Was ist Pädagogik?

In modernen Lehrmitteln, wie beispielsweise dem Lehrbuch „Pädagogik“ von Hermann Hobmair et al., das im Unterricht verwendet wird, ist Pädagogik folgendermassen definiert: "Unter Pädagogik werden sowohl alle Formen des praktischen Erziehungsgeschehens als auch die wissenschaftliche Erhellung der Erziehungswirklichkeit verstanden."

Wenn einzelne PädagogenInnen befragt werden, was sie unter Pädagogik respektive Erziehung verstehen, dann ergeben sich ganz unterschiedliche Antworten:

"Erziehung ist Entwicklungshilfe, sie ist Anpassung an die Gesellschaft, sie ist lehrende Einführung in die Kultur und sie ist Erweckung zum sinnvollen Leben. (...) Alle vier Teilaufgaben müssen geleistet werden; jede ergänzt die andere, wobei jedoch die Rangordnung von entscheidender Bedeutung ist." (Brezinka)

"Die Erziehung muss hemmen, verbieten, unterdrücken und hat dies auch zu allen Zeiten reichlich besorgt. Auch die mildeste Erziehung kann nicht anders, als Zwang auszuüben und Einschränkungen einführen, und jeder solche Eingriff in seine Freiheit muss beim Kind als Reaktion die Neigung zur Auflehnung und Aggression hervorrufen." (Freud)

"Ruhig und langsam die Natur sich selbst helfen lassen und nur sehen, dass die umgebenden Verhältnisse die Arbeit der Natur unterstützen, das ist Erziehung." (Key).

Wenn man diese Zitate liest und sie mit der Lehrbuchdefinition vergleicht, stellen sich einige Fragen, die beantwortet werden müssen, um der Pädagogik als Wissenschaft Sinn abzugewinnen:

Wie passen diese Zitate und die Lehrbuchdefiniton zusammen?

Was bringen die drei Zitate über die Vorstellung von Erziehung zum Ausdruck?

Welche Überzeugungen/Forschungstraditionen verbergen sich hinter diesen Zitaten?

 

 






"... dieser glaubt zu wissen und weiss nicht, ich aber, der ich ebensowenig weiss, glaube das nicht. Daher scheine ich um ein weniges weiser zu sein als dieser, da ich nicht glaube zu wissen, was ich nicht weiss." (Sokrates)



"Ich denke, also bin ich." (Descartes)



"Es ist überall nichts in der Welt, ja überhaupt auch ausser derselben zu denken möglich, was ohne Einschränkung für gut könnte gehalten werden, als allein ein guter Wille." (Kant)

"Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt." (Wittgenstein)

 

 

 

 

"Wir alle sind, von der Wiege bis zum Grab, am glücklichsten, wenn unser Leben wie eine Serie von langen oder kurzen Ausflügen um die sichere Basis, die unsere Bezugspersonen bieten, organisiert ist." (Bowlby)

 

"The predictable outcome of a child's attachment behavior is to bring him into closer proximity with other people, and particularly with that specific individual who is primarily responsible for his care." (Ainsworth)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Unter Erziehung werden Handlungen verstanden, durch die Menschen versuchen, das Gefüge von psychischen Dispositionen anderer Menschen in irgendeiner Hinsicht dauerhaft zu verbessern." (Brezinka)

"Die Erziehung muss hemmen, verbieten, unterdrücken und hat dies auch zu allen Zeiten reichlich besorgt." (Freud)

"Ruhig und langsam die Natur sich selber helfen lassen und nur sehen, daß die umgebenden Verhältnisse die Arbeit der Natur unterstürtzen, das ist Erziehung."(Key)

 

 

 

 

Lehrpersonen

Klingsor Reimann